Robert Zolles berichtet von einem Erlebnis der eher unsportlichen Art aus dem Hanappi-Stadion, in das der brave Fotoreporter und Bildagenturbetreiber mit schneller Kamera auch rasch involviert war.

 

Ein Ordner wird bei Fan-Ausschreitungen nach dem Spiel von 2 Rapidfans im Stadion niedergeschlagen, erleidet einen Nasenbeinbruch und blutet stark. Durch sein Erscheinen in der Rapid-Aula werde ich darauf aufmerksam und folge ihm daraufhin mit Kamera wieder in den Innenbereich des Stadions.

 

Mächtig Zoff gab es bei Rapid.


Ich mache 3 Fotos von ihm und einem Supervisor-Ordner, der ebenso bei den Ausschreitungen leicht verletzt wurde. Darauf fordern beide von mir, die Fotos zu löschen. Ich erkläre beiden freiwillig, dass ich zwar zusichern kann, dass ich die Fotos nicht weitergebe, jedoch für mich ein Löschen der Fotos vor Ort nicht in Frage kommt. Beide befinden sich in verständlicher emotionaler Verfassung und missverstehen meine Erklärungsversuche. Letztlich macht der verletzte Ordner über Funk eine Meldung mit meiner Fotografen-Rückennummer an die Sicherheitszentrale im Stadion. Sie verlassen den Innenraum und werden von Sanitätern verarztet.

Minuten danach erscheinen Polizei-Offiziere (wohl aus der Sicherheitszentrale) und einer davon fordert mich erneut auf, die Fotos zu löschen. Auf meine Frage, mit welcher Begründung er dies fordert, erklärt er zwei Mal: “Wenn Sie die Fotos nicht löschen, werden wir Ihre Akkreditierung einziehen und Sie erhalten Hausverbot.”

Es folgt ein weiterer Erklärungsversuch meinerseits an die anwesenden Polizei-Offiziere und den Sicherheitsvertreter Günther Marek, dass ich grundsätzlich keine Fotos lösche, jedoch ich dem Ordner versichert hätte, dass ich die Fotos nicht weitergeben werde. Es folgen wieder Aussagen der Anwesenden, dass die Sache weiterverfolgt werden wird und ein Entzug meiner Bundesliga-Dauerakkreditierung erfolgen würde sowie Hausverbot erteilt wird. Ich nehme die Aussagen verwundert zur Kenntnis und verlasse den Innenbereich.

Am darauf folgenden Montag muss ich erfahren, dass die Polizeivertreter die Sache weiter verfolgen wollen, und am Dienstag bei der Sicherheitskonferenz thematisieren werden. Daraufhin verfasse ich – trotz Bestätigung meiner Rechtsansicht durch den RSV-Anwalt Dr. Josef Schartmüller sowie anderer Fotografen – eine Stellungnahme, um zumindest den betroffenen Ordnern entgegenzukommen und keine weiteren Auseinandersetzungen über fiktive Fotoveröffentlichungen zu provozieren. Diese Stellungnahme wird bei der Sicherheitskonferenz verlesen und zur Kenntnis genommen.

Beim nächsten Bundesligaspiel kommt es zu einer Aussprache mit dem zweiten Supervisor-Ordner, dieser entschuldigt sich in beider Namen und versichert mir, dass in der Erregung falsche Reaktionen gesetzt wurden. Die Entschuldigung nehme ich gerne an und versichere ihm, dass sie die Bilder gerne für eine Gerichtsverhandlung gegen die beiden gefassten Täter einsetzen können.

Die Reaktion der angesprochenen Polizei-Offiziere kann und will ich jedoch nicht einfach zur Kenntnis nehmen. Deren Forderung nach Bild-Löschung entbehrt jeglicher rechtlichen Grundlage, und die Ankündigung des Akkreditierungsentzugs und Hausverbots war für mich eine ernst gemeinte Drohung und käme einem Berufsverbot gleich.

Da jedoch Foto-Verbote in Österreich keine rechtsstaatliche Deckung haben, und auch eher in diktatorischem Umfeld eingesetzt werden, erscheint mir dieser Vorfall symptomatisch für die Ansicht mancher Polizeibeamter, Journalisten und Fotografen in ihrer Presseberichterstattung einschränken zu können.

Eine offizielle Beschwerde gegen die angesprochenen Polizisten ist sicherlich sinnlos, aber als aufbereitetes Fallbeispiel wäre es für andere Kollegen in ähnlichen Situationen sicher geeignet, um entsprechend vorbereitet reagieren zu können. Mit richtigen Argumenten und der rechtlichen Sicherheit hätte ich in dieser Situation sicherlich einige Unklarheiten ausräumen können, oder hätte wirklich auf ein Verfahren bestanden.

Soweit mein Erlebnisbericht von Polizeiberichten der jenseitigen Art – manchmal  wünsche ich mir die Pensionierung sehnlichst herbei . . .

Liebe Grüsse!

Robert Zolles
http://www.zolles.com