Die Generalversammlung 2009
An die
30 Unverwüstliche, wohl den harten Kern der 492 Syndikatsmitglieder
darstellend, finden sich trotz heftigen
Regens am 10. Dezember abends im Wiener Café Landtmann ein. Einmal mehr ruft
die Generalversammlung: Höchstes Gremium der Plattform. Krankheitsausfälle und
Terminentschuldigungen brachten einige Reduzierung, andere wieder reisten extra
aus Salzburg und Oberösterreich an. Danke für diese Auszeichnung!
Herzliche
Begrüßung durch Präsident Gerhard
Mit
unserem Generalsekretär, Professor Axel Hubmann stürzen wir sofort in den
prallgefüllten Thementopf: Schon lange spüren alle Beteiligten
großes Unbehagen in den Redaktionen
und an
den Fronten, weil die Arbeit in Wahrheit nicht mehr lohnt! Mit an
Sittenwidrigkeit grenzenden abgefassten Vereinbarungen werden junge
Fotografinnen und Fotografen in großen,
vernetzten Verlagen so dingfest gemacht, dass Freude am Schaffen nicht mehr
aufkommen kann. Kameraleuten droht ebenfalls Schlimmes: Das Sender-Ansinnen,
künftig nur mehr 1-Mann-Teams beschäftigen und honorieren zu wollen ist
ebenfalls modernes Design.
erschütternde Aussagen ehemaliger Kollegen
zum
Thema, die zusätzlich durch ein später einlangendes Mail eines weiteren
Betroffenen noch untermauert werden. So scheut sich ein als „christlich und
katholisch“ bezeichneter Verlag im Lande nicht, seine jungen
Redaktionsmitglieder als entrechtete moderne Sklaven zu „beschäftigen“ und dann
noch festzuhalten . . . „dass sie ja nicht unterschreiben müssten!“
Jeder
halbwegs Gebildete weiß heute, wo die Schmerzgrenze bei Niedrigeinkommen liegt.
Geschäftsführende Leader, Herausgeber und Eigentümer stolzer Verlage wissen das
nicht? So abgehoben? So ahnungslos? Auch Amateure wissen, was Profikamera,
Laptop, Auto, Treibstoff, Telefon – aber auch Miete, Heizung, Kleidung, Leben
und Nahrungsmittel monatlich kosten.
Christliche Nächstenliebe
ist es sicher nicht,
wenn
im eigenen Konzern Leute getrieben werden, bar jeder rechtlichen Grundlage um
dürres Einkommen bangen zu müssen, das den Namen nicht verdient! Hier wurde
schon der „richtungsweisende Content-Journalist“,
der „gewerbliche Schreiber“ erfunden, des Redakteursstatus beraubt, der nicht
mehr weiß, wo, wie und ob überhaupt seine Story erscheinen wird. Neben ihm
jener Fotograf, der auf fast alle ihm zustehenden Urheberrechte verzichtet und
viel später, meist zu spät begreift, welch dürres Skelett von anfänglicher
Verlockung blieb! Freilich haben beide Kollegen aus der Not heraus diesen
äußerst fragwürdigen Praktiken zugestimmt!
Aber
auch in anderen führenden Häusern im Staate Österreich herrschen
heute
Sittenverfall und soziale
Kälte.
Das
Muster ist überall dasselbe. Es ist längst modern, Dienstnehmer mit ehemals
ordentlichen Arbeitsverhältnissen zu „verabschieden“, die Räume mit
nachdrängenden Pauschalisten, Werksverträglern oder
billigsten Substituten zu füllen und mit Freien zu jonglieren, sie alle
gegeneinander auszuspielen. Nur eine Folge des satten Überangebotes . . . ?
Jetzt krümmt sich das Häkchen:
Es ist genug!
Genug
des Spieles der Mächtigen. Ein anzustrengender Musterprozess durch die Instanzen
soll die Situation bereinigen und mit einem höchstrichterlichen Urteil
bestätigen, dass es so ist, wie es ist! Dass es
Unrecht und wider die guten Sitten
ist,
entrechtete Mitarbeiter derart in die Pflicht zu nehmen und zu Arbeitsverhältnissen zu zwingen, die sie in
Wahrheit bereuen. Umkehr zu Anstand und Rechtsgrundlage ist gefordert.
Gewinnmaximierung zu Lasten der Mitarbeiter muss ein Ende haben!
Das
Ansinnen der Bundesinnung der Berufsfotografen und des RSV mit Anwalt Dr. Josef
Schartmüller,
einen alles klärenden Prozess
in
Gang zu setzen, wird vom Syndikat Foto Film voll unterstützt. Auch finanziell –
ein einstimmiger Beschluss dieser Generalversammlung. Der steinige Weg in
Sachen Beweisführung ist jetzt zu beschreiten. Zumindest zwei „Vertrags-Papiere“
sind bereits in der Hand des Anwalts, um obskure, einseitige Ansinnen zweier
Verlage zu dokumentieren und offen zu legen. Zumindest zwei Zeuginnen (! Bravo)
sind bereit, für notwendige
Beweisuntermauerung
einzutreten
– weitere sollten bald folgen. Wir dürfen nicht voreilig handeln, jede Aktion
bedarf entsprechenden Fundaments . . .
Mit
Einstimmigkeit wurde der alte Vorstand samt Kassier entlastet, der neue, der
doch wieder der alte ist, gekürt und auch eine neues Vorstandsmitglied virtuell
vorgestellt, weil es leider unabkömmlich war: Professor Walter Kindler mit Sitz
in der Filmakademie und in anderen
wesentlichen Gremien zieht als Vizepräsident ein. Kindler ist Film- und
Videoprofi, seine Stimme hat viele Hörer, seine Meinung gilt.
Wie
auch jene
Auf geht´s ins Zehner-Jahr:
Viel
ist zu tun. Jeder Fotograf (Pressefotograf) muss sich angesprochen fühlen und
kann zum positiven Ergebnis des anstehenden Musterprozesses und damit für
lohnende Perspektiven beitragen. Natürlich läuft bei einigen das Geschäft
(noch) gut! Aber Hunderte Job suchende Einsteiger der letzten Jahre sind ein
nicht zu unterschätzendes Potenzial! Brauchen wir den „Numerus Clausus der
Fotografie?“ Sollen wir Millionen Amateuren verbieten, zu fotografieren? Sollen
alle der Gewerbeüberschreitung bezichtigt werden? Ist das Modell der Zweitberuf-Fotografen
die (nicht wünschenswerte) Zukunft? Will die Innung den Kampf auf Tausenden
Fronten gegen die „Nicht-Meister“ führen?
Der routinierte Pressefotograf
bietet dem „Vollfotografen“ freilich Ebenbürtigkeit;
Ereignisse größten Ausmaßes, Reportagen querdurch und
jedwede Porträts sind seine tägliche Sache!
Er
bringt die Bilder unter allen Umständen. Es muss ihm gestattet sein, die Rechte
an derartigen Bildern mit entsprechendem Honoraranspruch auch außerhalb der
Medienwelt weiterzugeben! Die Pressefoto-Gewerbescheininhaber sind in der
Innung eine große Lobby, die sie mit ihren Kammerbeiträgen wesentlich stützen.
Die Innung bietet neuerdings auch den einfachen Weg zur Meisterprüfung an.
Aber:
Der Pressefotograf schlechthin ist kein Fotograf
im Sinne des Handwerkes – er ist Journalist,
was
oft vergessen oder verleugnet wird. Er braucht auch keinen (eingeschränkten)
Gewerbeschein, kein amputiertes Gewerbe, um seinem Beruf nachzugehen. Der Kampf
um ehrliche Honorare zwingt ihn allerdings, manchmal Handlungen zu setzen, die
dem „Meistermodell“ der Innung zuwider laufen. Die Bündelung der Kräfte muss
aber im Sinne aller Beteiligten weiter gehen, um überhaupt noch
Zukunftsvisionen zu finden. Endlose, ergebnislose Diskussionen sind fruchtlose
Zeitverschwendung. Viel steht auf dem Spiel – eigentlich alles! Lasst uns gute
Arbeit beginnen!
gerhard.sokol@syndikatfotofilm.at
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