Die Generalversammlung 2009

 

An die 30 Unverwüstliche, wohl den harten Kern der 492 Syndikatsmitglieder darstellend,  finden sich trotz heftigen Regens am 10. Dezember abends im Wiener Café Landtmann ein. Einmal mehr ruft die Generalversammlung: Höchstes Gremium der Plattform. Krankheitsausfälle und Terminentschuldigungen brachten einige Reduzierung, andere wieder reisten extra aus Salzburg und Oberösterreich an. Danke für diese Auszeichnung!

Herzliche Begrüßung durch Präsident Gerhard Sokol, dann Gedenkminute an die für immer abberufenen, nicht mehr unter uns weilenden Kollegen.

 

Mit unserem Generalsekretär, Professor Axel Hubmann stürzen wir sofort in den prallgefüllten Thementopf: Schon lange spüren alle Beteiligten

 

großes Unbehagen in den Redaktionen

 

und an den Fronten, weil die Arbeit in Wahrheit nicht mehr lohnt! Mit an Sittenwidrigkeit grenzenden abgefassten Vereinbarungen werden junge Fotografinnen und  Fotografen in großen, vernetzten Verlagen so dingfest gemacht, dass Freude am Schaffen nicht mehr aufkommen kann. Kameraleuten droht ebenfalls Schlimmes: Das Sender-Ansinnen, künftig nur mehr 1-Mann-Teams beschäftigen und honorieren zu wollen ist ebenfalls modernes Design.

 

Sokols kurzer Trip Ende November zu Christian Jungwirth nach Graz brachte im Rahmen der Galerieeröffnung am Opernring 12 in einigen Gesprächen

 

erschütternde Aussagen ehemaliger Kollegen

 

zum Thema, die zusätzlich durch ein später einlangendes Mail eines weiteren Betroffenen noch untermauert werden. So scheut sich ein als „christlich und katholisch“ bezeichneter Verlag im Lande nicht, seine jungen Redaktionsmitglieder als entrechtete moderne Sklaven zu „beschäftigen“ und dann noch festzuhalten . . . „dass sie ja nicht unterschreiben müssten!“

 

Jeder halbwegs Gebildete weiß heute, wo die Schmerzgrenze bei Niedrigeinkommen liegt. Geschäftsführende Leader, Herausgeber und Eigentümer stolzer Verlage wissen das nicht? So abgehoben? So ahnungslos? Auch Amateure wissen, was Profikamera, Laptop, Auto, Treibstoff, Telefon – aber auch Miete, Heizung, Kleidung, Leben und Nahrungsmittel monatlich kosten.

 

Christliche Nächstenliebe ist es sicher nicht,

 

wenn im eigenen Konzern Leute getrieben werden, bar jeder rechtlichen Grundlage um dürres Einkommen bangen zu müssen, das den Namen nicht verdient! Hier wurde schon der „richtungsweisende Content-Journalist“, der „gewerbliche Schreiber“ erfunden, des Redakteursstatus beraubt, der nicht mehr weiß, wo, wie und ob überhaupt seine Story erscheinen wird. Neben ihm jener Fotograf, der auf fast alle ihm zustehenden Urheberrechte verzichtet und viel später, meist zu spät begreift, welch dürres Skelett von anfänglicher Verlockung blieb! Freilich haben beide Kollegen aus der Not heraus diesen äußerst fragwürdigen Praktiken zugestimmt!

 

Aber auch in anderen führenden Häusern im Staate Österreich herrschen heute

 

Sittenverfall und soziale Kälte.

 

Das Muster ist überall dasselbe. Es ist längst modern, Dienstnehmer mit ehemals ordentlichen Arbeitsverhältnissen zu „verabschieden“, die Räume mit nachdrängenden Pauschalisten, Werksverträglern oder billigsten Substituten zu füllen und mit Freien zu jonglieren, sie alle gegeneinander auszuspielen. Nur eine Folge des satten Überangebotes . . . ? Jetzt krümmt sich das Häkchen:

 

Es ist genug!

 

Genug des Spieles der Mächtigen. Ein anzustrengender Musterprozess durch die Instanzen soll die Situation bereinigen und mit einem höchstrichterlichen Urteil bestätigen, dass es so ist, wie es ist! Dass es

 

Unrecht und wider die guten Sitten

 

ist, entrechtete Mitarbeiter derart in die Pflicht zu nehmen und zu  Arbeitsverhältnissen zu zwingen, die sie in Wahrheit bereuen. Umkehr zu Anstand und Rechtsgrundlage ist gefordert. Gewinnmaximierung zu Lasten der Mitarbeiter muss ein Ende haben!

 

Das Ansinnen der Bundesinnung der Berufsfotografen und des RSV mit Anwalt Dr. Josef Schartmüller,

 

einen alles klärenden Prozess

 

in Gang zu setzen, wird vom Syndikat Foto Film voll unterstützt. Auch finanziell – ein einstimmiger Beschluss dieser Generalversammlung. Der steinige Weg in Sachen Beweisführung ist jetzt zu beschreiten. Zumindest zwei „Vertrags-Papiere“ sind bereits in der Hand des Anwalts, um obskure, einseitige Ansinnen zweier Verlage zu dokumentieren und offen zu legen. Zumindest zwei Zeuginnen (! Bravo) sind bereit, für notwendige

 

Beweisuntermauerung

 

einzutreten – weitere sollten bald folgen. Wir dürfen nicht voreilig handeln, jede Aktion bedarf entsprechenden Fundaments . . .

 

Mit Einstimmigkeit wurde der alte Vorstand samt Kassier entlastet, der neue, der doch wieder der alte ist, gekürt und auch eine neues Vorstandsmitglied virtuell vorgestellt, weil es leider unabkömmlich war: Professor Walter Kindler mit Sitz in der Filmakademie und in  anderen wesentlichen Gremien zieht als Vizepräsident ein. Kindler ist Film- und Videoprofi, seine Stimme hat viele Hörer, seine Meinung gilt.

 

Wie auch jene Gerhard Hinterleitners, der mit seinen jahrzehntelangen Erfahrungen aus dem Agenturgeschäft im Vorstand brilliert. Gerhard Sokol darf als Präsident auf Vorstandskollegen bauen, die wie er von den Fronten kommen und ganz genau wissen, was stützt, was nützt und was zu unterlassen ist. Dieser Vorstand, dieses Präsidium scheut keine Konfrontation. Die Diskussion beginnt:

 

Auf geht´s ins Zehner-Jahr:

 

Viel ist zu tun. Jeder Fotograf (Pressefotograf) muss sich angesprochen fühlen und kann zum positiven Ergebnis des anstehenden Musterprozesses und damit für lohnende Perspektiven beitragen. Natürlich läuft bei einigen das Geschäft (noch) gut! Aber Hunderte Job suchende Einsteiger der letzten Jahre sind ein nicht zu unterschätzendes Potenzial! Brauchen wir den „Numerus Clausus der Fotografie?“ Sollen wir Millionen Amateuren verbieten, zu fotografieren? Sollen alle der Gewerbeüberschreitung bezichtigt werden? Ist das Modell der Zweitberuf-Fotografen die (nicht wünschenswerte) Zukunft? Will die Innung den Kampf auf Tausenden Fronten gegen die „Nicht-Meister“ führen?

 

Der routinierte Pressefotograf

bietet dem „Vollfotografen“ freilich Ebenbürtigkeit;

Ereignisse größten Ausmaßes, Reportagen querdurch und

jedwede Porträts sind seine tägliche Sache!

 

Er bringt die Bilder unter allen Umständen. Es muss ihm gestattet sein, die Rechte an derartigen Bildern mit entsprechendem Honoraranspruch auch außerhalb der Medienwelt weiterzugeben! Die Pressefoto-Gewerbescheininhaber sind in der Innung eine große Lobby, die sie mit ihren Kammerbeiträgen wesentlich stützen. Die Innung bietet neuerdings auch den einfachen Weg zur Meisterprüfung an. Aber:

 

Der Pressefotograf schlechthin ist kein Fotograf

im Sinne des Handwerkes – er ist Journalist,

 

was oft vergessen oder verleugnet wird. Er braucht auch keinen (eingeschränkten) Gewerbeschein, kein amputiertes Gewerbe, um seinem Beruf nachzugehen. Der Kampf um ehrliche Honorare zwingt ihn allerdings, manchmal Handlungen zu setzen, die dem „Meistermodell“ der Innung zuwider laufen. Die Bündelung der Kräfte muss aber im Sinne aller Beteiligten weiter gehen, um überhaupt noch Zukunftsvisionen zu finden. Endlose, ergebnislose Diskussionen sind fruchtlose Zeitverschwendung. Viel steht auf dem Spiel – eigentlich alles! Lasst uns gute Arbeit beginnen!

 

gerhard.sokol@syndikatfotofilm.at

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