Der Digitalstore Vienna ruft zum Panorama-Workshop.
Michael Exner, bereits routinierter „Stitcher“
untermauert seine Ausführungen mit einigen Beispielen, die verführen. So darf
seine Printversion der Nachtaufnahme Londons, 360 Grad aus zwölf Sequenzen, 60 cm
breit und vielleicht zwei Meter lang als Beispiel modernen digitalen
Foto-Know-hows in Bezug auf Digital-Panoramabild gelten. Auch seine
Java-Applets aus dem KHM können sich am Monitor sehen lassen. Zylindrische
Panoramen vom Feinsten. Die sphärischen Panoramaschwenks, die Oberklasse der
sich nach allen Richtungen drehenden digitalen Panoramen werden in diesem
Workshop nur gestreift, es ist dies ein ganz spezielles Thema eines eigenen
Workshops.
Wissen
um das Panoramabild
Was wir wissen oder besser zu wissen glauben: Stativ, Panoramakopf,
Weitwinkel, Kamera eingestellt, zwei Mal um 60 Grad weiter geschwenkt - und
fertig ist das 180 Grad-Panoramabild! Im Photoshop die einzelnen Szenen (schon
mit mehr Mühe) künstlerisch verwoben, retuschiert – alles leider nicht so
hundertprozentig! Die Perspektive, die Parallaxe – unbedachte Troubles! Mangels
besseren Wissens muss das reichen. Hundert Prozent – wo gibt’s das schon? Na
eben!
Was wir
nicht wissen: Der Nodalpunkt!
Hundert Prozent Erfolg gibt es allerdings bei Beachtung des
Nodalpunktes! Tatsächlich? Was ist denn der
Nodalpunkt? Der Knotenpunkt (englisch: „Nodal Point“ von Node = Knoten,
halbdeutsch deshalb „Nodalpunkt“) ist jener Punkt, jene gedachte Vertikale, in
der die Kamera einschließlich Optik ohne Parallaxenfehler geschwenkt werden
kann! Eine senkrechte Achse, die immer durch die angesetzte Optik laufen muss!
Das Ergebnis ist dann ein stimmiges Knotenpunkt-Panorama! Da der Knotenpunkt
bei den meisten Kameras mit Optik selten über dem Stativmittelpunkt liegt, sind
für perfekte Panoramabilder spezielle (und oft auch teure) Einstellschlitten
bzw. Nodalpunkt-Adapter erforderlich, die zwischen Stativ und Kamera
angebrachte werden. Zum Unterschied zu billigen Drehtellern, die lediglich die
Grad-Aufteilung bei Schwenks gestatten, erlaubt der Einstellschlitten die
Verschiebung in die gedachte Vertikale des Nodalpunktes. Die Parallaxe ist
ausgeschaltet!
„Aber ich schwenke doch auch mit Panoramakopf am Stativ, bombenfest,
ganz genau, 180 Grad eben – oder auch mehr! 360 Grad vielleicht – als
Endlos-Rundbild!“
Fehler!
Genau das ist der globale Fehler in unserem Fall! Während der Schwenk
mit der Videokamera natürlich ein sorgloses Panorama erlaubt, werden beim
Fotografieren ganz andere Argumente schlagend, weil nach den digitalen
Aufnahmen der einzelnen Sequenzen die Teile ja „gestitcht“, mit Software
verwoben werden müssen! Du schwenkst die Kamera, die mit Stativschraube im
Mittel des Panoramakopfes befestigt ist, ohne die Parallaxe des verwendeten
Objektives zu berücksichtigen! Der Gehäusemittelpunkt ist es, der sich hier in
der gedachten Hochachse dreht – und nicht die alles bestimmende Optik!
Der nicht nur bei digitalen Panoramabildern alles ruinierende
Parallaxenfehler wird mit längerer Brennweite besonders deutlich. Beim Blick in
den Sucher werden die am rechten Bildrand deckungsgleichen Senkrechten im
folgenden 30- oder 60gradigen Rechtsschwenk am linken Bildrand eben nicht mehr
deckungsgleich sein können – die Parallaxe verhindert dies. Du drehst ja nicht
im gedachten senkrechten Mittelpunkt der gewählten Brennweite (samt Gehäuse) –
sondern nur im Mittelpunkt des Kameragehäuses! Die Optik „schwenkt aus!“ Die
Folge ist, dass die beim Panoramabild erforderlichen deckungsgleichen Anschlüsse
der einzelnen Szenen von der erforderlichen Software nicht vorhanden sind, also
auch nicht gefunden werden können. Mit ungenügenden Kompromissen darf gerechnet
werden; die Anschlüsse flackern, auffällige Unschärfen stechen ins Auge und
zerstören jede gute Absicht!
Deckungsgleichheit
an den Bildrändern links und rechts
Übrigens lässt sich die so wichtige Deckungsgleichheit der Senkrechten
an den beiden Bildrändern so am besten überprüfen: Ein in etwa drei Meter
Abstand aufgestelltes Lampenstativ oder ein ruhig gehaltener Stab (eine
Senkrechte im Vordergrund) wird mit einer Senkrechten im Hintergrund
(vielleicht ein Mast, eine Hauskante) am rechten Bildrand im Sucher zur Deckung
gebracht. Wenn nun weiter nach rechts geschwenkt wird, muss die Vordergrund-Senkrechte
mit der vorhin ausgewählten Hintergrund-Senkrechten auch am linken Bildrand
deckungsgleich sein. Dann wird es bei den Szenenanschlüssen und beim späteren
Stitchen mit unserer Software keine Probleme geben.
Bequeme
Korrektur nur mit Einstellschlitten
Korrekturen bis zur Deckungsgleiche werden durch einfaches Vor- oder
Rückwärtsfahren des Einstellschlittens, auf welchem Gehäuse samt Optik montiert
sind, durchgeführt. Erst wenn die Deckungsgleichheit millimetergenau
sichergestellt ist, sich also das Gehäuse samt Brennweite genau im zentrierten
Nodalpunkt drehen, wird es keine Parallaxe geben, kann die Panoramaarbeit erst
so richtig beginnen!
Natürlich
Hochformat!
Sehr empfehlenswert ist die Arbeit im Hochformat: 50prozentiger Formatgewinn
ist die Folge – die Anzahl der Sequenzen ist ja unerheblich. Speziell in
Innenräumen ist Hochformat zu schätzen. Professionelle Panoramaköpfe haben
gefräste Kerben; so werden Panoramen mit 6, 9, 12, 18 oder mehr „Teilstrecken“
zum Kinderspiel, weil die Kerbungen eine gewisse Schwenk-Automatik ermöglichen.
Genaues Einrasten erspart Rechenarbeit, erlaubt flottes Arbeiten.
Wir lernen aus diesen Angaben, dass das gute Panoramabild, das in
digitaler Ausführung als Java-Applet, also eine endlos langsam rotierende 360
Grad-Gesamtansicht einer Werkshalle etwa auf der Homepage eben dieses Werkes
Furore machen muss. Wenn keine Parallaxe auftritt, die wichtigen Parameter der
ausgetüftelten Belichtung, des Kontrastes, des Beginnes und des Endes der Rundumsicht
eingehalten werden, ist die Anerkennung sicher. Die Spannung des Neuen, noch
nie so gesehenen Objektes gipfelt in Verblüffung – aber vielleicht auch ein
wenig in Kritik. Gebogener Horizont mit Deckenfresko etwa, gewölbtes Geländer
im Vordergrund (das doch gerade war) – die Bildelemente zollen der Perspektive
Tribut. Ein Weitwinkelobjektiv, in Innenräumen angewandt, wird zur
Herausforderung auch für den späteren Betrachter!
Fotografiert wird aus Rentabilitätsgründen immer im Hochformat mit ISO
200, die Einstellungen Entfernung und Belichtung werden manuell getätigt,
gespeichert wird als RAW. Die Überlappungen an linken und rechten Bildrändern
(um ordentlich verweben zu können) machen etwa ein Bilddrittel aus. Aus dieser
Datenfülle (bei zwölf Szenen kommen dann schon mindestens 120 bis 150 MB Umfang
zu Stande) werden später die entsprechenden Dateien herausgerechnet. Der
Rechner sollte der schnellste sein, der zur Verfügung steht, die Festplatte
sollte echte Größe zeigen! Für Internetpräsentationen muss dann natürlich
gnadenlos heruntergerechnet werden, für den Druck sollte ein Large Format
Printer ab 60 cm Breite und endloser Länge vorgesehen werden. Dann allerdings
wird das neue Panorama ein Heidenspaß!
Resümee
Panorama Studio
Die Kosten für den digitalen zylindrischen Panorama-Einstieg sind
erheblich – allein der richtige Panoramakopf schlägt mit Euro 550.- zu Buche (Ermäßigung
für Workshop-Bucher wird selbstverständlich gewährt – nächster Workshop im Herbst
2006!), die beiden Einstellschlitten (der zweite gestattet genaues Zentrieren
der Optik im Hochformat, die Nivellierscheiben mit Wasserwaage, ein wirklich gutes
Stativ (das man ja bereits haben sollte!), erstes Probieren, Aufbau des
Know-hows für Weißabgleich, Kontrastumfang und Belichtung, die
Rechner-Ausstattung usw. summieren sich zu stattlicher Größe. Im Freien ist
alles einfach – bei Innenaufnahmen nehmen die kritischen Punkte viel Platz ein.
Im Vergleich zu den auflaufenden Einstiegskosten ist die alles vollendende
aktuelle Software um Euro 35.- ein Schnäppchen! www.tshsoft.de
bietet das Panorama Studio 1.3.1 (für Windows XP) nur über Internet zum
Download an. Rechnung, Lizenz und Freischaltcode folgen nach einer Probezeit
von 30 Tagen. Laut Michael Exner (der muss es
schließlich wissen) gibt es zu diesem Preis nichts Vergleichbares auf dem
Markt. Intel-Prozessoren im Mac und Windowsoberfläche erlauben auch das
Arbeiten am Apple-Rechner. Windows hat hier die Nase vorne! Den nächsten
Workshop „Panorama“ sollte man ebenfalls buchen – diese Kosten rechnen sich auf
alle Fälle. Wissen beruhigt!
Bleibt anschließend die Arbeit mit dem „Panorama Studio“ am Rechner. Die
Software erkennt moderne Kameras wie Canon, Nikon und Olympus usw., kennt deren
Verlängerungsfaktoren und übernimmt die Exif-Daten. Man kann einen Sektor oder
eben 360 Grad-Panorama wählen. Der Horizont wird festgelegt, Übergänge sind
vielleicht noch zu korrigieren, Helligkeiten werden nachjustiert. Dann der
spannende Moment, wenn es heißt: „Stitch!“ Hat die erste „Weberei“ noch Mängel,
wird weiter nachjustiert – die Software bietet genügend Möglichkeiten, zum
erbaulichen Ziel zu gelangen. Schließlich wird eine TIFF, JPEG, ein Java-Applet oder eine Quicktime-Applikation
(QTVR) aus der RAW herausgerechnet – und hält auch
kritischer Betrachtung stand. Weiterer Nutzung steht nichts mehr im Wege. Für
alle Detailfragen steht Ing. Michael Exner exner@digitalstore.at zur Verfügung,
auch Rent-Service bei Christian Scharpf
photo@knips.com wartet! Möge die Übung
gelingen!
Gerhard Sokol, www.syndikatfotofilm.at