APA und Canon Pressefotopreis "Objektiv 2008":

Hauptpreis geht an "Krone"-Fotograf Klemens Groh.

 

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Der vom Wind verwehte Papst Benedikt XVI. avancierte zum Pressefoto des Jahres.  Klemens Groh wurde dafür mit dem "Objektiv 2008" geehrt, nachdem er zuvor schon die Kategorie Chronik gewonnen hatte. Im Ressort Politik und Wirtschaft erreichte der freie Fotograf Georges Schneider mit seiner Aufnahme von Minister Bartenstein und AUA-Chef Ötsch in kasachischen Gewändern in der Steppe Kasachstans den ersten Platz. Die Sparte Kunst und Kultur entschied, wie schon im Jahr 2006, Robert Newald für sich - diesmal mit einem Foto von Hermann Nitsch, der mit einem Besen über einem blau-grünen Schüttbild sinniert. Das Sport-Gewinnerbild lieferte (wie auch 2007) der Freie Markus Gmeiner mit seiner Aufnahme des Starts beim Motocross-Rennen in Möggers (Vorarlberg). Volker Weihbold von den "Oberösterreichischen Nachrichten" beeindruckte die Jury mit seinem Foto der 95-jährigen Schriftstellerin Gertrud Fussenegger und gewann die Kategorie Porträt. Die Auszeichnung für das beste Feature-Bild erhielt Günter Filzwieser vom Österreichischen Bundesheer für seine Aufnahme von Soldaten hinter einer Stacheldrahtbarriere. Die Sieger der einzelnen Kategorien erhalten Warengutscheine von Canon im Wert von je 3.000 Euro, an den Hauptpreisträger gehen darüber hinaus weitere 6.000 Euro. In Summe wurden 315 Fotos eingereicht, die zwischen 1. März 2007 und 29. Februar 2008 aufgenommen und in einem österreichischen Medium veröffentlicht wurden.

 

In einem anonymisierten Bewertungsverfahren wurden die Gewinner von einer unabhängigen Jury gekürt, der dieses Jahr Regina Anzenberger (Agentur Anzenberger), Peter Baldauf (Canon Österreich), Eva Dichand ("Heute"), Rainer Nowak ("Die Presse"), Alexandra Föderl-Schmid ("Der Standard"), Euke Frank ("woman"), Andreas Koller ("Salzburger Nachrichten"), Gert Korentschnig ("Kurier"), Michael Lang (APA), Christian Rainer ("profil"), Hannes Rausch (Designer), Claus Reitan ("Österreich"), Nora Schuster (Pressefotografin), Werner Sobotka (Höhere grafische Bundeslehranstalt), Stefan Ströbitzer (ORF) und Eva Weissenberger ("Kleine Zeitung") angehörten.

 

So knapp, so gut – der (etwas gekürzte) Text der APA.

 

Und jetzt? Noch einige Sätze: Wir Pressefotografen danken Canon und APA für die Aufwertung des Pressefotografen-Images. Auch dass dieser Event zum Muss-Termin wurde und tatsächlich alle Pressefotografen Österreichs anspricht, ist lobenswert. 900 Gäste eines fulminanten Abends in der riesigen, eigens adaptierten Hochspannungshalle im Wiener Arsenal irren nicht! Das alljährliche Treffen aller interessierten Kollegen in diesem Ambiente ist ohne Beispiel! Dank auch an die prominenten Laudatoren, von denen allerdings . . . Bundeskanzler Alfred Gusenbauer trotz Ankündigung fehlte.

 

Weiteres: So lange es Fotos gibt, existiert auch Kritik an deren Qualität, der Bewertung der Aussage usw. – natürlich auch beim Pressefotopreis objektiv. Im Kollegenkreis werden vor allem Auswahl, Bewertung, Bildsprache und schließlich Preisvergabe kritisiert. So bestehen nachweislich in der Jury viel zu wenig pressefotografische Kenntnisse. Wissen um pressefotografisches Schaffen in Österreich scheint überhaupt nicht existent! Bekannte Namen aus Redakteurskreisen sind doch immer dort ohne Kompetenz, wo es um fotografisches Handeln, Sehen, Verständnis und Wissen – also um die echte Spezies Pressefotografie geht. Das weiß man, seit es Medien gibt! Prominenz im Bild nach vorne zu reihen ist alles, was von einer derartigen Jury zu erwarten ist! Aussageträchtige Pressefotografie ist eigener Kern, eigene Wissenschaft! Als Dilemma des objektiv-Awards gilt, dass immer nur die erschienenen Bilder zum Wettbewerb eingebracht werden dürfen – wo doch nur selten der Fotograf aus seinen Motiven wählen kann, weil er nicht in der Redaktion anwesend ist! Lasst doch ihn über sein bestes Bild aus seiner vorgelegten Serie entscheiden! Überhaupt dann, wenn ein Hochformat erschien, er aber ein auszeichnungswertes Querbild in Händen hält!

 

Und: Auch scheint es z. B. hilflos, gleich zwei ähnliche Papstmotive bis in die Endrunde laufen zu lassen. Oder: Warum kommt der Hauptpreis nicht aus einem eigenen Topf? Warum muss er aus dem Kreis der Kategoriesieger kommen? Und: Wenn man weiß, welch hervorragende Sportbilder von österreichischen Sportfotografen wöchentlich veröffentlicht werden, ist das heurige Siegerfoto wahrlich kein Trost – obwohl gut gesehen und geschossen! Wo sind die Ergebnisse täglicher Jagd der österreichischen Sportfotografen? Und dass sich Österreichs Kulturleben in einem Nitsch-Stillleben erschöpft, stimmt nachdenklich! Prominenz im Bild ist noch kein Qualitätsgarant! Zu wenige Einsendungen, nur routinierte knappe Fotografenansprache des Veranstalters, zu wenige gute Schüsse?  Was läuft hier alles falsch?

 

Resümee: Künftig müssen Fotografen wie auch Medien (letztere auch ohne Zutun der Fotografen, die ja immer unterwegs und in Terminnot sind) gleichermaßen gefordert werden. Die in Erinnerung haftenden und veröffentlichten Superschüsse sind sofort in der Fotoredaktion in einen digitalen objektiv-Ordner einzubringen, auszulagern, zumal der eventuell zu erwartende Preis auch nachhaltige Werbung für das entsprechende Magazin, die Tageszeitung bedeutet! Ein anzudenkender, ideeller „Medien-Pressefoto-Preis“ mit Unterstützung des Zeitungsherausgeberverbandes und des Verbandes österreichischer Zeitschriften hilft hier vielleicht weiter. Verbesserung im Sinne der österreichischen Pressefotoszene ist dringend angebracht und wird zu gegebener Zeit auch hier zu veröffentlichen sein.

 

Gerhard Sokol syndikatfotofilm.at

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