APA und Canon Pressefotopreis "Objektiv 2008":
Hauptpreis geht an "Krone"-Fotograf
Klemens Groh.
Der vom Wind verwehte Papst Benedikt XVI.
avancierte zum Pressefoto des Jahres.
Klemens Groh wurde dafür mit dem
"Objektiv 2008" geehrt, nachdem er zuvor schon die Kategorie Chronik
gewonnen hatte. Im Ressort Politik und Wirtschaft erreichte der freie Fotograf
Georges Schneider mit seiner Aufnahme von Minister Bartenstein
und AUA-Chef Ötsch in
kasachischen Gewändern in der Steppe Kasachstans den ersten Platz. Die Sparte
Kunst und Kultur entschied, wie schon im Jahr 2006,
In einem anonymisierten Bewertungsverfahren
wurden die Gewinner von einer unabhängigen Jury gekürt, der dieses Jahr
So knapp, so gut – der (etwas gekürzte) Text
der APA.
Und jetzt? Noch einige Sätze: Wir
Pressefotografen danken Canon und APA für die Aufwertung des Pressefotografen-Images.
Auch dass dieser Event zum Muss-Termin wurde und tatsächlich alle
Pressefotografen Österreichs anspricht, ist lobenswert. 900 Gäste eines
fulminanten Abends in der riesigen, eigens adaptierten Hochspannungshalle im
Wiener Arsenal irren nicht! Das alljährliche Treffen aller interessierten
Kollegen in diesem Ambiente ist ohne Beispiel! Dank auch an die prominenten
Laudatoren, von denen allerdings . . . Bundeskanzler Alfred Gusenbauer
trotz Ankündigung fehlte.
Weiteres: So lange es Fotos gibt, existiert
auch Kritik an deren Qualität, der Bewertung der Aussage usw. – natürlich auch
beim Pressefotopreis objektiv. Im Kollegenkreis werden vor allem Auswahl,
Bewertung, Bildsprache und schließlich Preisvergabe kritisiert. So bestehen
nachweislich in der Jury viel zu wenig pressefotografische Kenntnisse. Wissen
um pressefotografisches Schaffen in Österreich scheint überhaupt nicht
existent! Bekannte Namen aus Redakteurskreisen sind doch immer dort ohne
Kompetenz, wo es um fotografisches Handeln, Sehen, Verständnis und Wissen –
also um die echte Spezies Pressefotografie geht. Das weiß man, seit es Medien
gibt! Prominenz im Bild nach vorne zu reihen ist alles, was von einer
derartigen Jury zu erwarten ist! Aussageträchtige Pressefotografie ist eigener
Kern, eigene Wissenschaft! Als Dilemma des objektiv-Awards
gilt, dass immer nur die erschienenen Bilder zum Wettbewerb eingebracht werden
dürfen – wo doch nur selten der Fotograf aus seinen Motiven wählen kann, weil
er nicht in der Redaktion anwesend ist! Lasst doch ihn über sein bestes Bild
aus seiner vorgelegten Serie entscheiden! Überhaupt dann, wenn ein Hochformat
erschien, er aber ein auszeichnungswertes Querbild in Händen hält!
Und: Auch scheint es z. B. hilflos, gleich
zwei ähnliche Papstmotive bis in die Endrunde laufen zu lassen. Oder: Warum kommt
der Hauptpreis nicht aus einem eigenen Topf? Warum muss er aus dem Kreis der
Kategoriesieger kommen? Und: Wenn man weiß, welch hervorragende Sportbilder von
österreichischen Sportfotografen wöchentlich veröffentlicht werden, ist das
heurige Siegerfoto wahrlich kein Trost – obwohl gut gesehen und geschossen! Wo
sind die Ergebnisse täglicher Jagd der österreichischen Sportfotografen? Und
dass sich Österreichs Kulturleben in einem Nitsch-Stillleben
erschöpft, stimmt nachdenklich! Prominenz im Bild ist noch kein
Qualitätsgarant! Zu wenige Einsendungen, nur routinierte knappe Fotografenansprache
des Veranstalters, zu wenige gute Schüsse? Was läuft hier alles falsch?
Resümee: Künftig müssen Fotografen wie auch
Medien (letztere auch ohne Zutun der Fotografen, die ja immer unterwegs und in
Terminnot sind) gleichermaßen gefordert werden. Die in Erinnerung haftenden und
veröffentlichten Superschüsse sind sofort in der Fotoredaktion in einen
digitalen objektiv-Ordner einzubringen, auszulagern, zumal
der eventuell zu erwartende Preis auch nachhaltige Werbung für das
entsprechende Magazin, die Tageszeitung bedeutet! Ein anzudenkender, ideeller
„Medien-Pressefoto-Preis“ mit Unterstützung des Zeitungsherausgeberverbandes
und des Verbandes österreichischer Zeitschriften hilft hier vielleicht weiter.
Verbesserung im Sinne der österreichischen Pressefotoszene ist dringend angebracht
und wird zu gegebener Zeit auch hier zu veröffentlichen sein.
Gerhard Sokol syndikatfotofilm.at